Ein Einblick in unser autonomes Nervensystem und wie unserem Atem uns zurück ins Gleichgewicht führt
Unser Atem ist mehr als nur ein Vorgang, der uns am Leben hält. Er ist eine stille, kraftvolle Brücke zwischen Körper und Geist. Jeder Atemzug trägt Informationen über unser Erleben, unsere Gedanken, unsere Gefühle. Und er schenkt uns die Fähigkeit, auf tiefer Ebene Einfluss auf unser Wohlbefinden zu nehmen.
Im Zentrum dieser Verbindung steht unser autonomes Nervensystem, kurz ANS. Es schützt unser Leben – ununterbrochen, automatisch und blitzschnell. Noch bevor wir bewusst bemerken, was geschieht, hat das ANS bereits entschieden, wie unser Körper reagieren soll. Diese Fähigkeit hat unser Überleben seit Millionen von Jahren gesichert.
Stellen Sie sich vor, Sie gehen zu Fuß über die Straße und ein Auto kommt zu nah. Sie springen zur Seite – ohne nachzudenken. Genau hier zeigt sich die Kraft des ANS: Es bewertet jede Sekunde Signale aus unserem Körper, unseren Gedanken und unserer Umgebung. Es sucht nach Gefahr, Lebensgefahr – und ebenso nach Sicherheit.
Und Sicherheit ist, laut der Polyvagal-Theorie, die Grundlage für unser inneres Gleichgewicht.
Durch unsere Atmung können wir genau dieses Signal der Sicherheit an unser Nervensystem senden – und dadurch unsere innere Balance stärken. Um das zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die drei Nervenzweige, aus denen unser ANS besteht.
Die drei Nervenzweige – der Schlüssel zur Resilienz
Der ventrale Vagus
Zustand von Sicherheit, Verbindung und innerer Ruhe
Der ventrale Vagus ist der jüngste Zweig unseres Nervensystems und gleichzeitig der heilsamste. Wenn er aktiv ist, fühlen wir uns sicher, verbunden und geerdet. Die Atmung ist sanft und ruhig.
In diesem Zustand können wir:
- klar denken
- unsere Gefühle wahrnehmen
- uns mit anderen Menschen verbinden
- kreativ Lösungen finden
- uns öffnen, vertrauen und reflektieren
Der ventrale Vagus ist der Zustand, in dem wir leben, lieben und wachsen können. Er bildet die Basis jeder stabilen psychischen Gesundheit.
Doch wenn unser ANS Anzeichen von Gefahr wahrnimmt, wechselt es automatisch in den nächsten Modus.
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Der sympathische Nervenzweig
Kampf und Flucht
Nimmt das ANS Signale von Gefahr wahr, wird der sympathische Nervenzweig aktiviert und bereitet uns sekundenschnell auf Flucht oder Kampf vor. Die Atmung wird schnell und intensiv. Dadurch werden Stresshormone ausgeschüttet und Muskelspannung, Herzschlag und Blutdruck steigen. Körperfunktionen wie z.B. die Verdauung oder die Fähigkeit Nachzudenken wird heruntergefahren. Die Energie geht vom Kopf in den Körper. Der Hör- und Sehsinn werden eingeengt und verändert sich. Soziale Interaktionen sind in diesem Zustand nicht mehr möglich. Wir werden hektisch, agieren aufgeregt ohne Plan und Ziel, Konflikte eskalieren schnell oder wir ziehen uns zurück und resignieren.
Sobald unser System Gefahr signalisiert, übernimmt der sympathische Nervenzweig.
Die Atmung beschleunigt sich, der Körper spannt sich an, Stresshormone werden ausgeschüttet. Herzschlag und Blutdruck steigen, die Sinne fokussieren sich auf das Wesentliche, auf das Überleben.
Dies ist der Zustand von:
- innerer Unruhe
- Alarmbereitschaft
- Gereiztheit
- Überforderung
- impulsivem Handeln oder Rückzug
Wenn dieser Zustand zu lange anhält und weder Kampf noch Flucht Sicherheit bringen, greift das Nervensystem zum ältesten Überlebensmechanismus.
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Der dorsale Vagus
die Totstell-Reaktion
Der dorsale Vagus ist der älteste Zweig unseres ANS. Er wird aktiv, wenn Gefahr als ausweglos erlebt wird.
Wenn weder Verbindung (ventraler Vagus) noch Mobilisierung (Sympathikus) Sicherheit herstellen konnten, zieht sich unser System in die tiefste Form des Schutzes zurück: die Immobilität.
Dies zeigt sich durch:
- Starre und Erstarrung
- Ohnmacht, Erschöpfung, Kraftlosigkeit
- emotionale Taubheit oder Dissoziation
- das Gefühl, „neben sich zu stehen“
- Handlungsunfähigkeit
Diese Reaktion ist keine Schwäche, sondern ein uraltes Schutzprogramm. Viele traumatisierte Menschen kennen diesen Zustand sehr gut.
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Warum uns Entspannung oft nicht gelingt?
Das sich im Laufe der Evolution entwickelte ANS hat unser Leben erfolgreich gesichert. Leider erweist es sich in unserer modernen Welt oft als nicht hilfreich. Psychische Belastungen, Geldsorgen, Konflikte am Arbeitsplatz, Zeit- und Leistungsdruck aber auch Krankheiten oder Einsamkeit, all das wird vom ANS als Bedrohung wahrgenommen. Die Atmung wird schneller, der Sympathikus bleibt aktiviert, und der ventrale Vagus wird seltener erreicht. Über Wochen oder Monate entsteht so eine chronische Stressatmung. Blutdruck und Herzschlag steigen, die innere Ruhe schwindet, Schlaf und Konzentration leiden.
Viele stressbedingte Symptome wie Ängste, Erschöpfung, Burnout, Schlaflosigkeit und depressive Verstimmungen hängen genau damit zusammen, dass das ANS seine natürliche Regulation verloren hat.
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Mit der Atempraxis zu mehr Wohlbefinden
Die vielleicht schönste und kraftvollste Erkenntnis lautet:
Über unseren natürlichen Atem können wir unser Nervensystem wieder ins Gleichgewicht bringen.
Mit der Buteyko-Atempraxis begleite ich Sie behutsam dabei,
- Ihre Atmung zu beruhigen
- den ventralen Vagus zu stärken
- das sympathische System zu entlasten
- chronische Stressmuster zu lösen
- Ihr Nervensystem nachhaltig zu regulieren
Eine gesunde, natürliche Atmung ist wie ein innerer Anker. Sie holt uns zurück in unseren Körper, in die Präsenz, in die Klarheit und schenkt uns ein tiefes Gefühl von Sicherheit.
Mit jedem sanften Atemzug können wir unserem System zuflüstern:
Ich bin sicher.
Ich bin verbunden.
Ich bin handlungsfähig.
Bringen Sie Ihre Atmung wieder in Einklang mit Ihrem Körper und Geist.
Ich begleite Sie gerne auf diesem Weg.